ModBridge ist ein moderner Modbus-TCP/RTU-Proxy-Manager mit eleganter Web-Oberfläche. Er multiplext und verwaltet beliebig viele Modbus-Verbindungen – mit Live-Monitoring, Logging und Sicherheit in einem kompakten, leicht deploybaren Paket. Klingt unspektakulär? Ist es aber nicht: Ein Modbus-Proxy, der die echten Probleme von Modbus-Geräten löst, ist der Unterschied zwischen „läuft meistens“ und „läuft“.
Ein Proxy ist kein Kabel
ModBridge sitzt zwischen deinen Clients (Home Assistant, SCADA, eigene Skripte) und den Modbus-Geräten. Und genau an dieser Stelle entstehen die Probleme, die der Proxy löst:
- Transaction-Matching: Gegenüber dem Gerät vergibt ModBridge eigene Transaktions-IDs und verwirft Antworten, die nicht zur aktuellen Anfrage gehören. Ohne das wird eine verspätete Antwort zur Antwort auf die nächste Anfrage – und ab da schlägt jede Abfrage fehl.
- Zeitbudget pro Request: Läuft es ab, bekommt der Client eine saubere Modbus-Exception statt einer Antwort, auf die niemand mehr wartet.
max_target_conns: Viele Geräte (SolarEdge/SunSpec und zahlreiche Wechselrichter) bedienen nur eine Modbus-Session. ModBridge regelt den Zugang, damit sich Clients nicht gegenseitig rauswerfen.min_request_gap_ms: Manche Geräte verwerfen Anforderungen ohne Pause dazwischen – ModBridge setzt den nötigen Abstand.- Cache + Background-Polling: Träge Geräte lassen jeden Client warten. Der Cache hält genau die Register warm, die tatsächlich abgefragt werden – der Client bekommt sofort eine Antwort, das Gerät wird seltener gefragt. Schreibzugriffe gehen nie durch den Cache und invalidieren betroffene Einträge.
Messen statt raten: die Kalibrierung
Statt Werte zu schätzen, misst ModBridge sie am echten Gerät: Der Request-Gap wird schrittweise verkürzt, bis das Gerät anfängt, Anfragen zu verwerfen – der letzte saubere Schritt plus Sicherheitsabstand wird vorgeschlagen. Alles read-only, maximal 90 Sekunden, und nichts wird angewendet, bevor du auf „Übernehmen“ klickst. Danach verbinden sich Clients selbständig neu.

Geräteprofile für den schnellen Start
Rund 60 Geräteprofile in sieben Kategorien (Wechselrichter, Wärmepumpen, Lüftung, Zähler, Speicher, Wallboxen, Allgemein) füllen das Anlageformular mit Werten, die zur Geräteklasse passen – du musst die Parameter nicht aus Handbüchern zusammen suchen.
Die Web-Oberfläche


Dazu: Devices-Ansicht, Live-Logs, Dark-Theme und Mobile-Format. Wer keine WebUI will, bekommt die Headless-Variante ohne Oberfläche.
Installation: eine Zeile
curl -sSL https://raw.githubusercontent.com/Xerolux/modbridge/main/scripts/modbridge.sh | sudo bash -s install
Das Skript erkennt die Architektur (amd64, arm64, arm – Raspberry Pi Zero bis ARM-Server), lädt das passende Binary nach /opt/modbridge, richtet einen systemd-Service mit Autostart ein und installiert das modbridge-Kommando systemweit:
modbridge # interaktives Menü
modbridge status # Status anzeigen
modbridge logs -f # Logs live verfolgen
modbridge update # Update (Config/DB bleiben erhalten)
modbridge backup # Config + DB sichern
Aktualisierungen sind bewusst sicher: Config wird vorher nach /opt/modbridge/backups/ gesichert, das alte Binary bleibt als Fallback liegen, und wenn der Neustart fehlschlägt, rollt ModBridge automatisch zurück. Für Docker-Fans gibt es ein fertiges Image (ghcr.io/xerolux/modbridge) mit Compose-Beispiel im Repo.
Typischer Einsatz im Smart Home
Die Kombination, für die ModBridge in Smart Homes gebaut wurde: Home Assistant mit Modbus-Integrationen – etwa der IDM-Wärmepumpen-Integration – am einen Ende, ein Modbus-Gerät am anderen, das nur eine Session bedient oder träge antwortet. ModBridge dazwischen, und sowohl Home Assistant als auch ein zweiter Client (zur Visualisierung mit der GLT Flow Card oder zum Monitoring) arbeiten parallel und stabil.
Fazit
Modbus ist alt, aber überall – Wärmepumpen, Wechselrichter, Zähler, Wallboxen. ModBridge nimmt dir die gesamte Verbindungsproblematik ab: sauberes Transaction-Handling, Session-Limits, Request-Gaps, Caching und Kalibrierung am echten Gerät. Mit WebUI oder headless, auf x86 und ARM, per One-Liner oder Docker – und mit Updates, die nichts kaputt machen können. Wer Modbus-Geräte betreibt, braucht das.
Projekt unterstützen: ⭐ auf GitHub – die komplette Doku (Konfiguration, Features & API, Troubleshooting) steht im Projekt-Wiki. Entwicklung unterstützen per Ko-fi oder Buy Me a Coffee.
